Nürtinger Zeitung: „Kein Rechtsstaat“

Herr Winter, Sie halten morgen an der Nürtinger Hochschule einen Vortrag. Wie schätzen Sie Rechtsstaatlichkeit und Einhaltung der Menschenrechte in Gambia ein?

Die Lage spitzt sich zu, was man als Tourist in den Hotels und an den Stränden zunächst nicht wahrnimmt. Im Landesinneren trifft man aber immer häufiger auf Polizeikontrollen und Straßensperren, im Kontakt mit den Menschen ist die Angst zu spüren, sich politisch oder auch nur zu den sehr ärmlichen Lebensumständen zu äußern. Freunde von mir wurden willkürlich zu Verhören abgeführt.

Hat Präsident Yahya Jammeh Rückhalt in der Bevölkerung, ist eine ordnungsgemäße und freie Wahl garantiert?

Im Land leben neun verschiedene Ethnien, Rückhalt hat er vor allem unter den Angehörigen der Yolas, die sich aber zumeist auf dem Gebiet des Senegal aufhalten, aber dennoch zu Wahlen ins Land gelassen werden. Auch Angestellte aus der Bürokratie unterstützen ihn. Die Oppositionsparteien scheinen aber Zulauf zu haben, sie haben sich zusammengeschlossen. Ein Oppositionsführer der stärksten Kraft, der United Democratic Party (UDP), ist inhaftiert, ein anderer starb im Frühjahr in der Haft. Politische Beobachter sehen freie Wahlen alles andere als garantiert.

Das Interview „Kein Rechtsstaat“ erschien am 01.12.16 in der Nürtinger Zeitung.

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