Schwäbische Zeitung: „Berichte von Willkür, Folter und Armut“

Trommelrhythmen eröffnen den Abend. Ansumana Kujateh und Lamih Gassama entführen die Gäste des Gambischen Abends am Freitag in der Mensa des Salvator Kollegs akustisch in eine exotische Welt. Rund Hundert Menschen waren der Einladung des Treffpunkt Asyl (TPA) gefolgt, um sich einerseits über Gambia aus erster Hand zu informieren und andererseits die Menschen kennenzulernen, die die weite und gefährliche Reise auf sich genommen haben, um einer der repressivsten Diktaturen dieser Welt zu entfliehen.

In einer kurzen Präsentation stellten sieben Gambier, unterstützt von Murielle Willburger und Manuela Sellmayr vom Treffpunkt Asyl, das Land und die dort herrschenden Verhältnisse vor. Sie berichten von Willkür, Folter, Unterdrückung, Missständen und Armut.

Selbstverständlich gingen sie auch auf die neuesten Entwicklungen in Gambia ein. Nach den Wahlen am 1. Dezember, die der Oppositionspolitiker Adama Barrow gewonnen hatte, schien es, als würde der seit 22 Jahren das westafrikanische Land mit eiserner Faust regierende Präsident Yahya Jammeh das Ergebnis akzeptieren und im Januar sein Amt übergeben.

Gambier bleiben zutiefst skeptisch

Euphorie hat diese Nachricht bei den rund 60 in Bad Wurzach lebenden Gambiern nicht ausgelöst. Sie trauen dem Frieden nicht. „So kurz nach der Wahl ist nicht die Zeit, zu vergeben und zu vergessen“, sagte Cherif Camara. Zu viele Fragen seien noch offen. Wie werden sich zum Beispiel Armee und Geheimdienst verhalten? Noch immer gebe es politische Häftlinge in seiner Heimat, unterstrich er und endete mit der Forderung: „Schiebt Flüchtlinge aus Gambia nicht ab.“

Nahezu zur selben Zeit bestätigten sich die Befürchtungen der Westafrikaner: Präsident Jammeh will das Wahlergebnis doch nicht akzeptieren. Unter Berufung auf das gambische Staatsfernsehen vom Freitag berichteten internationale Medien, dass Jammeh für seine Weigerung Unregelmäßigkeiten beim Wahlverfahren verantwortlich mache. Er wird mit den Worten zitiert: „Hiermit weise ich die Ergebnisse in Gänze zurück.“

Von dieser Entwicklung wusste in Wurzach am Freitagabend noch niemand etwas, auch wenn die Skepsis der Gambier ob einer Wende zum Besseren in ihrem Land ausgesprochen und unausgesprochen in der Luft stand. Sie sollten recht behalten.

Das hat sie aber nicht daran gehindert, den Abend mit den Wurzachern zu feiern. Den ganzen Nachmittag hatten sie gemeinsam gekocht, um ihren Gästen echte gambische Speisen vorsetzen zu können. Serviert wurden Plasas, Domoda, Njang Katang, Mbahal und Benachin – alles ausgesprochen lecker. Und die Einladung, sich am Büffet zu bedienen, kam von ganzem Herzen: „Alle Leute viele gute Appetit.“ Und den hatten „alle Leute“ dann auch.

Der Artikel „Berichte von Willkür, Folter und Armut“ erschien am 11.12.16 in der Schwäbischen Zeitung.

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