Bammental: „Menschenrechte gelten weltweit“

„Menschenrechte gelten weltweit“, steht auf einem Banner, das Mitglieder des Ortsverbands Bammental von Bündnis 90/Die Grünen vor dem Rathaus aufgespannt haben. Am Tag der Menschenrechte erinnern sie daran, dass diese allen Menschen in gleicher Weise zustehen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Religion und Alter. Die einzelnen Artikel der UN-Menschenrechtscharta haben sie auf farbige Bögen gedruckt und mit Wäscheklammern aufgehängt. Darunter hängen Berichte über Menschenrechtsverstöße.

„Es geht uns auch darum, ein Zeichen zu setzen gegen Rassismus und die Abschiebepolitik der Bundesregierung“, erklären Peter Dunkl und Anette Rehfuss von der grünen Gemeinderatsfraktion Bammental. Auch Landtagsabgeordneter Hermino Katzenstein (Grüne) schießt sich der Aktion in seiner Nachbargemeinde an.

Aus dem Flüchtlingscamp Kriegsmühle erscheinen einige Gambier, die von der Aktion erfahren haben und auf ihre Situation aufmerksam machen wollen. Flüchtlingshelferin Sabine Gladik berichtet von der landesweiten Gambia-Woche des Flüchtlingsrates Baden-Württemberg, die vom 1. Dezember, dem Tag der Präsidentschaftswahl in Gambia, bis zum internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Oktober dauert. Präsident Jammeh, der sich vor 22 Jahren an die Macht geputscht hatte, erkenne seine Wahlniederlage nicht an, sagt sie und mahnt: „Die Menschen sind gefährdet, ich weiß nicht was mit ihnen passiert wenn sie abgeschoben werden.“

Dass der stellvertretende Bundesvorsitzende und baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) Gambia zum sicheren Herkunftsland erklären will, macht die Betroffenen fassungslos. Sie sagen, Jammeh bedrohe neben Regimekritikern und Christen auch die große Volksgruppe der Mandinka. Geflüchtete würden als Verräter gebrandmarkt. Um nicht als solche erkannt zu werden ziehen die jungen Gambier fürs Foto Papiermasken über ihre Gesichter.

Er werde nicht unmittelbar von der Regierung bedroht, räumt ein 19-Jähriger Berufsschüler ein. Doch die schütze ihn nicht auch nicht vor Gewalt und Bedrohung, sagt der Vollwaise und berichtet erregt und aufgewühlt, wie Verwandte ihn wie einen Sklaven gehalten hätten. Als er studieren wollte, hätten sie ihn misshandelt, erzählt er und zeigt tiefe Narben an beiden Beinen. Er sei kein Einzelfall, in Gambia gebe es keine unabhängige Rechtsstaatlichkeit, die vor Gewalt und Ausbeutung in den Familien schützen würde. Katzenstein runzelt die Stirn. Er wolle einen Abgeordnetenbrief an Minister Strobl schreiben, sagt er.

Auch eine Gruppe Afghanen beteiligt sich an der Kundgebung für Menschenrechte. „In Afghanistan gibt es für mich keinen sicheren Ort“, sagt ein junger Mann, der fünf Jahre für ein amerikanisches Unternehmen gearbeitet hatte. Denn allein Verbindungen zu Amerika oder Deutschland reichten aus, um auf den Todeslisten der Taliban zu landen. Wen die Kopfgeldjäger fänden, werde brutal massakriert. Gerade in den ländlichen Gebieten habe die Regierung kaum Einfluss, über eine Million Menschen seien innerhalb des Landes vor den Taliban und lokalen Machthabern auf der Flucht.

„Es sind junge intelligente Männer, jeder mit seiner Geschichte“, sagt Flüchtlingshelferin Margit Fuchs über die Afghanen aus dem Bammentaler Camp. Auf die in Freiburg getötete Studentin hätten sie viele angesprochen. Einer tritt vor und liest Wort für Wort mühsam aber unbeirrt eine Erklärung auf deutsch vor: „Wir afghanischen Männer entschuldigen uns wegen dem schändlichen Verbrechen, das an einer Frau in Freiburg begangen wurde. Wir möchten in Deutschland und in Bammental mit Ihnen in Frieden zusammen leben. Uns ist es wichtig, ein Teil dieser Gesellschaft zu werden. Wir brauchen Ausbildung und Arbeit und dazu brauchen wir Ihre Hilfe. Vielen Dank für alle Freundlichkeit und Hilfe, die wir bisher erhalten haben!“

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