Über 100 Menschen beim Gambia-Abend in Frickenhausen

Im Rahmen der „Gambia-Woche“, die vom AK in Breisach initiiert wurde und in mehr als 50 Orten in Baden-Württemberg stattfand, ging es in erster Linie darum, aufgrund der vielen gambischen Flüchtlinge bei uns in Baden-Württemberg, über die aktuelle Situation in Gambia zu informieren.

So fand auch im Rahmen des AK Integration Frickenhausen, eine Infoveranstaltung über Gambia, mit daran anschließendem afrikanischem Essen, im Gemeindehaus in Linsenhofen statt.

Die Veranstaltung war sehr gut besucht, zuweilen drängten sich über 100 Personen im Saal, so dass unsere  afrikanischen Köche alle Hände voll zu tun hatten, um die Besucher mit köstlichem afrikanischem Essen (Yassa, Domodah, Benajin) zu verköstigen. – Dank der vielen helfenden gambisch-deutschen Hände in der Küche, konnte diese Herausforderung gemeistert werden.

Nach anfänglichen afrikanischen Trommelrhythmen begann der Abend mit einer Lesung, bei der den Zuhörer/innen ein Perspektivwechsel abverlangt wurde. „Stell Dir vor hier bei uns wäre Krieg – und du müsstest nach Afrika fliehen“ – das war der Ausgangspunkt der Lesung; und anhand einiger fiktiver Flüchtlinge deren Situation in Afrika nachgespürt.
Im nächsten Teil des Abends berichtete einer der Flüchtlinge, die inzwischen seit fast zwei Jahren bei uns hier leben, eindrücklich und authentisch von der politischen Lage in seinem Heimatland. Und davon, was so viele junge Männer genötigt hat, die Heimat zu verlassen. Sehr gespannt und aufmerksam lauschten die Zuhörer/innen seinen Schilderungen.

Danach ging der Abend zum gemeinsamen Essen über, bei dem es zu sehr interessanten und intensiven Tischgesprächen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen kam.

Parallel dazu gab es im Obergeschoss des Gemeindehauses anhand einer Power-Point- Präsentation weitere Informationen zur Situation in Gambia. Dabei wurde deutlich wie sehr das Land, unter dem durch einen Putsch im Jahre 1994 an die Macht gekommenen Präsident Yahya Jammeh, leidet:
Hunderte von Menschen sind in der Zeit seiner Herrschaft aufgrund von Folter, willkürlicher Verhaftung, „Verschwinden lassen“   ums Leben gekommen. Am 2. Oktober 2013 erklärt die gambische Regierung den Austritt aus dem Commonwealth; dies brachte eine rapide Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation mit sich.
Im Juli 2013 kommt es zur Neufassung des Informations- und Kommunikationsgesetzes, in der jegliche Meinungsäußerung hart beschnitten wird, mit Freiheitsstrafen bis zu 15 Jahren.
Viele Journalisten werden verhaftet, misshandelt oder bedroht. Ein unabhängiges Gericht gibt es nicht. – Ende 2015 erklärt Diktator Yahya Jammeh Gambia zur islamischen Republik; in der Hoffnung sich damit finanzielle Zuwendungen aus Saudi-Arabien zu verschaffen.
Im April 2016 demonstrieren Mitglieder der größten Oppositionspartei der UDP (United Democratic Party)friedlich in der Hauptstadt Banjul für eine Reform des Wahlrechts und für Demokratie.
Dabei werden mehr als 90 Personen festgenommen. In der Folge kommt es zu Folterungen und Tod.
Eine Presse- und Meinungsfreiheit gibt es nicht.

In diesem Klima ging das Land auf die Wahl am 1. Dezember des Jahres zu. Die meisten rechneten mit der Wiederwahl Jammehs, weil keine freien und fairen Wahlen zu erwarten waren. Und dann kam die große Überraschung: Diktator Jammeh verliert die Wahl; Adama Barrow von der UDP wird als neuer Präsident von Gambia gewählt.

Dies wird mit großer Erleichterung und Freude wahrgenommen, in der Hoffnung, dass nun die Entwicklung eines neuen, demokratischen Gambias, möglich ist.

Auch bei unserem „gambischen Abend“ war diese Erleichterung spürbar; wenngleich die jungen Männer aus Afrika dem Frieden nicht so recht trauen wollten.

Nach Ende der Veranstaltung erreichten uns dann leider erneut beunruhigende Informationen aus Gambia: Der noch amtierende Diktator Jammeh erklärt, dass er seine Wahlniederlage nicht akzeptieren wird.
Unter unseren Flüchtlingen macht sich erneut Unsicherheit breit.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s