Weinheimer-Woche: „Trommel gegen die Abschiebung“

Die Djemben wirbeln Trommellaute in die kalte Luft in Weinheims Fußgängerzone. Die Sonne strahlt. Die Musiker tun es auch. Sie trommeln im Rahmen der Gambia-Aktionswoche, zu der der Flüchtlingsrat Baden-Württembergs aufrief.

Hintergrund der Aktion ist der Vorstoß des baden-württembergischen Innenministers Thomas Strobl (CDU), der Gambia zu einem sicheren Herkunftsland erklären will. „Darüber gibt es in der Koalition keinen Konsens: Die CDU ist dafür, wir Grünen dagegen“, sagt Weinheims Landtagsabgeordneter Uli Sckerl (GAL), der an diesem Morgen den jungen Männern zuhört. Sie alle sind aus Gambia, leben jetzt in Weinheim in den Erstunterbringungen. Wie sie flüchteten Zehntausende aus der Diktatur in ihrer Heimat. Unter Präsident Yahya Jammeh sind Folter und Todesstrafe an der Tagesordnung. Organisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch beklagen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die EU hat in den letzten Jahren Hilfszahlungen für das Land eingefroren – wegen der Zustände um die Menschenrechte in Gambia.

Susanne Dambeck hat die Aktion rund um die Reiterin organisiert. Zettel und Flyer hat sie in der Hand, verteilt sie mit einigen anderen Helfern an die Menschen. „Die Jungs sorgen mit ihrer Musik dafür, dass die Menschen stehenbleiben. Das gibt uns dann die Möglichkeit, sie zu erreichen“, sagt Susanne Dambeck. Sie ist sichtlich zufrieden mit der Resonanz. Denn es sind etliche Menschen unterwegs an diesem Morgen.

Machtwechsel als Abschiebungsebner?
Es ist gleichzeitig der Morgen, an dem sich rumgesprochen hat, dass sich in Gambia gegen alle Prognosen ein Machtwechsel vollziehen wird. Präsident Jammeh hat die am Tag zuvor stattgefundene Wahl verloren, seine Niederlage bereits eingestanden. Herausforderer Adama Barrow soll Gambia auf den Weg der Demokratie führen – das zumindest die Hoffnung. Doch niemand weiß, ob das Land diesen Weg schafft. Nicht jetzt, so kurz nach der Wahl, die einen Neuanfang bedeuten kann. Und die dem Ansinnen Strobls in die Karten spielt. Auf die Frage, ob das dem Vorhaben nicht entsprechenden Rückenwind gibt, antwortet Uli Sckerl: „Kann schon sein.“

Derweil klingt weiter der Ton der Djemben, fliegen Hände über zwei Congas, spielen Stöcke auf einer Trommel und die afrikanischen Rhythmen tragen sich durch die Straße. Das Lächeln der Musiker – es gilt an diesem Morgen womöglich nicht nur der Musik, die sie mit Leib und Seele machen. Es gilt auch dem Neuanfang in ihrer Heimat. Zumindest der Hoffnung darauf.

Der Artikel „Trommel gegen die Abschiebung“ erschien am 10.12.16 in der Weinheimer Woche.

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